Ob Nachhall im Büro, Lärm im Klassenzimmer oder schlechte Klangqualität im Aufnahmestudio – die Lösung liegt oft im richtigen Material. Schallabsorbierende Materialien wandeln akustische Energie in Wärme um, bevor sie als störender Schall zurückgeworfen wird. Doch nicht jedes schallabsorbierende Material ist für jeden Innenraum geeignet: Porosität, Materialdicke, Frequenzverhalten und Verarbeitbarkeit unterscheiden sich erheblich. Dieser Artikel gibt dir einen vollständigen Überblick – von den physikalischen Grundlagen bis zur konkreten Anwendung im Raum.
Schallabsorption vs. Schalldämmung: Der entscheidende Unterschied
Bevor wir in die Materialien einsteigen, ist eine Unterscheidung wichtig, die häufig verwechselt wird:
- Schallabsorption reduziert den Nachhall und die Schalldämpfung innerhalb eines Raumes. Schallabsorbierende Materialien schlucken Schallwellen, die auf ihre Oberfläche treffen, und wandeln die akustische Energie in Wärme um. Das verbessert die Raumakustik und die Sprachverständlichkeit im Raum selbst.
- Schalldämmung (auch Schallisolierung) verhindert die Übertragung von Schall zwischen zwei Räumen. Schalldämmende Materialien wirken durch Masse und Entkopplung – z. B. schwere Gipskartonplatten, Schwerschaum oder Mineralwolle in Trennwänden. Sie sind für den Schallschutz zwischen Räumen entscheidend, verbessern aber die Akustik innerhalb eines Raumes kaum.
Wer die Raumakustik verbessern möchte, braucht primär Schallabsorber – wer Lärm von außen oder aus Nachbarräumen fernhalten möchte, setzt auf schalldämmende Materialien.
Wie funktioniert Schallabsorption physikalisch?
Wenn eine Schallwelle auf eine Oberfläche trifft, passiert eines von drei Dingen: Sie wird reflektiert, transmittiert (durchgelassen) oder absorbiert. Der Schallabsorptionsgrad (α) beschreibt, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie absorbiert wird – ein Wert von 0 bedeutet vollständige Reflexion, ein Wert von 1 vollständige Absorption.
Bei porösen Materialien dringen Schallwellen in das Material ein und bringen die Luftteilchen in den Poren in Schwingung. Durch die Reibung der Luftteilchen an den Porenwänden wird die akustische Energie in Wärmeenergie umgewandelt. Die Effizienz hängt dabei maßgeblich von Porosität, Porengröße und Materialdicke ab: Für niedrigere Frequenzen sind dickere Schichten nötig, da die Schallwellen eine größere Eindringtiefe benötigen.
Als Faustregel gilt: Die optimale Materialdicke liegt bei einem Viertel der Wellenlänge der zu absorbierenden Frequenz. Bei 500 Hz (Wellenlänge ca. 68 cm) wären das theoretisch 17 cm – in der Praxis helfen jedoch schon 50 mm starke Absorber wirksam im mittleren und oberen Frequenzbereich.
Die wichtigsten schallabsorbierenden Materialien im Überblick
1. Akustikschaum / Akustikschaumstoffe
Akustikschaum – insbesondere aus Melaminharzschaum (Basotect®) oder Polyurethanschaum (PU-Schaum) – gehört zu den meistgenutzten schallabsorbierenden Materialien in Aufnahmestudios, Bürogebäuden und Heimkinos. Der offenzellige, poröse Aufbau sorgt für eine effektive Umwandlung von Schallenergie in Wärme.
- Melaminharzschaum (Basotect®): Sehr leicht, selbstverlöschend, hoher Schallabsorptionsgrad (α bis 0,95 bei mittleren und hohen Frequenzen), temperaturbeständig, daher ideal für den professionellen Einsatz in Bürogebäuden, Schulen und öffentlichen Gebäuden
- Polyurethanschaum (PU): Kostengünstiger, vielseitig einsetzbar, gute Absorption bei mittleren und hohen Frequenzen, als Keil- oder Noppenschaum erhältlich
- Anwendung: Akustikplatten, Wandpaneele, Deckensegel, freistehende Absorber in Studios und Büros
2. PET-Filz (Recycling-Polyesterfaser)
Filz aus recyceltem PET-Material hat sich zu einem der vielseitigsten schallabsorbierenden Materialien für den modernen Innenraum entwickelt. Die dichte Faserstruktur absorbiert Schall besonders effektiv im mittleren und oberen Frequenzbereich und bietet gleichzeitig viele gestalterische Möglichkeiten.
- Hoher Schallabsorptionsgrad (α bis 0,85 je nach Dicke und Einbausituation)
- Schadstoffgeprüft, nachhaltig aus Recycling-Material, robust und langlebig
- Hervorragend geeignet für Paneele, Deckensegel und bespannte Akustikplatten
- Anwendung: Büros, Schulen, Kitas, Wohnräume – überall dort, wo Akustik und Design kombiniert werden sollen
Bei FENNEXT findest du hochwertige Akustikpaneele aus PET-Filz – schadstoffgeprüft, in zahlreichen Farben und Größen, ideal für Wand und Decke.
3. Mineralwolle (Steinwolle & Glaswolle)
Steinwolle und Glaswolle zählen zu den klassischen schallabsorbierenden Materialien im Baubereich. Ihre faserige Struktur mit hoher Porosität macht sie zu hervorragenden Breitbandabsorbern – wirksam von tiefen bis zu hohen Frequenzen. Gleichzeitig bieten sie hervorragende Wärmedämmung, was sie besonders im Bereich Fassade und Dach attraktiv macht.
- Hervorragend bei tiefen und mittleren Frequenzen, je nach Dichte und Materialdicke
- Nicht brennbar (Baustoffklasse A1), feuchtigkeitsresistent
- Anwendung: Vorsatzschalen, abgehängte Decken, Dämmplatten in Trennwänden, Lärmschutzwände
- Im Sichtbereich immer verkleidet oder bespannt eingesetzt
4. Holz & Holzwerkstoffe (MDF, Sperrholz)
Holz und Holzwerkstoffe sind in erster Linie schallreflektierende Materialien – sie können jedoch durch gezielte Konstruktion zu hervorragenden Absorbern werden. Entscheidend ist dabei die Bauform:
- Perforierte Platten aus MDF oder Holz mit dahinterliegendem Absorber wirken als sogenannte Helmholtz-Resonatoren und absorbieren gezielt bestimmte Frequenzen – besonders wirksam bei niedrigeren Frequenzen im Bassbereich
- Mikroperforierte Platten mit sehr kleinen Öffnungen wirken breitbandig als Absorber ohne zusätzliches Dämmmaterial – besonders interessant für transparente oder gläserne Oberflächen
- Anwendung: Akustikpaneele in Designqualität, Theater, Konferenzräume, Büros – überall dort, wo eine hochwertige Optik gefordert ist
5. Textilien: Vorhänge, Bespannungen & Akustikstoffe
Vorhänge und textile Wandbespannungen leisten einen wirksamen Beitrag zur Schallabsorption – besonders im mittleren und hohen Frequenzbereich. Dichte, schwere Stoffe wie Velours, Wollstoffe oder Strukturstoffe eignen sich besonders gut als bespannte Akustikplatten oder Flächenvorhänge.
- Als Vorhang an Fensterfronten: wirksam gegen Außenlärm und Reflexionen
- Als Wandbespannung auf Rahmen mit dahinterliegendem Dämmmaterial: professionelle Lösung mit hohem Schallabsorptionsgrad
- Anwendung: Wohnräume, Bürogebäude, Hotels, Theater, Konferenzsäle
6. Kork
Kork ist eines der wenigen natürlichen Materialien, das sowohl schallabsorbierend als auch schalldämmend wirkt – durch seine offenporige, zelluläre Struktur. Als Bodenbelag dämpft Kork Trittschall und reduziert Körperschall; als Wandmaterial oder Pinnwand trägt er zur Verbesserung der Raumakustik bei. Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Pflegeleichtigkeit machen Kork zu einer interessanten Wahl, besonders wenn Wärmedämmung und Akustik kombiniert werden sollen.
7. Resonatoren: Plattenschwinger & Helmholtz-Resonatoren
Resonatoren sind eine Sonderklasse schallabsorbierender Bauteile – sie wirken nicht durch Porosität, sondern durch mechanische Schwingung oder Resonanz in einem Hohlraum.
- Plattenschwinger: Eine dünne, biegsame Platte (z. B. Holz oder Metall) schwingt im Resonanzbereich und wandelt die Schallenergie in Bewegungsenergie um. Besonders effektiv bei niedrigeren Frequenzen (Bassbereich), daher ideal zur Ergänzung poröser Absorber
- Helmholtz-Resonatoren: Hohlräume mit definierter Öffnung absorbieren bei einer spezifischen Frequenz. Werden häufig in perforierten Akustikdecken oder speziellen Wandkonstruktionen eingesetzt
- Anwendung: Aufnahmestudios, Theater, Konzertsäle, Hallraum-Optimierung
8. Silikon & Dichtungsmassen
Silikon und akustische Dichtungsmassen zählen zu den unterschätzten Schallschutzmaterialien. Sie dienen nicht der Absorption, sondern dem Abdichten von Fugen, Spalten und Durchdringungen – und sind damit entscheidend für die Wirksamkeit aller anderen schalldämmenden Materialien. Ein einziger ungedichteter Spalt kann die Schallisolierung einer Wand erheblich reduzieren. Silikon, Akustikschaum-Dichtungen und Quellbänder verschließen diese Schwachstellen und verbessern so den gesamten Schallschutz eines Bauteils.
Der Schallabsorptionsgrad α: Was bedeutet er konkret?
Der Schallabsorptionsgrad (α) ist das zentrale Maß für die Wirksamkeit eines schallabsorbierenden Materials. Er wird frequenzabhängig gemessen (nach DIN EN ISO 354 im Hallraum) und gibt an, wie viel Prozent der auftreffenden Schallenergie vom Material absorbiert wird:
| α-Wert | Bedeutung | Typische Materialien |
|---|---|---|
| 0,00 – 0,15 | Geringe Absorption (schallhart) | Beton, Glas, Fliesen |
| 0,15 – 0,40 | Moderate Absorption | Teppich, Vorhänge, Holzvertäfelung |
| 0,40 – 0,70 | Gute Absorption | Dünne Schaumstoffe, Kork, Filzpaneele |
| 0,70 – 1,00 | Hervorragende Absorption | Basotect®, Mineralwolle, PET-Filzpaneele (50 mm) |
Wichtig: Der α-Wert gilt immer für eine bestimmte Frequenz. Ein Material mit α = 0,90 bei 1.000 Hz kann bei 125 Hz einen Wert von nur 0,20 aufweisen. Wer gezielt tiefe Frequenzen bedämpfen möchte, braucht dickere Absorber oder Resonatoren.
Materialeigenschaften im direkten Vergleich
| Material | Frequenzbereich | α-Wert (mittel) | Anwendung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Melaminharzschaum (Basotect®) | Mittel & hoch | 0,80–0,95 | Büro, Schule, Studio | Sehr leicht, nicht brennbar |
| PET-Filz | Mittel & hoch | 0,70–0,85 | Büro, Wohnraum, Schule | Nachhaltig, schadstoffgeprüft, dekorativ |
| Steinwolle | Breitband | 0,70–0,95 | Wände, Decken, Lärmschutzwände | Auch Wärmedämmung, nicht brennbar |
| PU-Schaum | Mittel & hoch | 0,50–0,80 | Studio, Heimkino | Günstig, viele Formen |
| Kork | Mittel | 0,20–0,50 | Boden, Wand | Nachhaltig, auch Wärmedämmung |
| Vorhänge/Textilien | Mittel & hoch | 0,20–0,60 | Wohnraum, Büro, Hotel | Einfach nachrüstbar, dekorativ |
| Perforierte Holzplatten | Gezielt, tief–mittel | 0,40–0,85 | Büro, Theater, Studio | Designqualität, anpassbar |
| Plattenschwinger | Tief (Bass) | 0,30–0,80 (im Resonanzbereich) | Studio, Hallraum | Gezielt für Bassabsorption |
Schallabsorption für spezifische Anwendungen
Büro & Großraumbüro
Im Büro stehen Sprachverständlichkeit und Lärmreduzierung im Vordergrund. Empfohlen werden Deckensegel aus Basotect® oder PET-Filz (50 mm) für den mittleren und hohen Frequenzbereich sowie bespannte Wandpaneele als ergänzende Absorber. Für Großraumbüros gibt es spezielle Anforderungen gemäß DIN 18041 Gruppe B und VDI 2569 – der FENNEXT Akustik-Rechner hilft, den genauen Bedarf zu ermitteln.
Schulen, Kitas & Unterrichtsräume
Für Unterrichtsräume gelten nach DIN 18041 strenge Anforderungen an die Nachhallzeit (0,4–0,6 s). Im Vordergrund stehen schadstoffgeprüfte Materialien – bevorzugt PET-Filz oder zertifizierter Melaminharzschaum. Deckensegel sind ideal, wenn Wandflächen durch Tafeln und Schränke belegt sind.
Aufnahmestudios & Heimkinos
Aufnahmestudios benötigen eine Kombination aus Absorbern für hohe und mittlere Frequenzen (Akustikschaum, PET-Filz) und Bassabsorbern (Plattenschwinger, Ecken-Bassfallen) für niedrigere Frequenzen. Die Anordnung folgt dem Konzept der Erstreflexionspunkte: An Decke, Seitenwänden und Rückwand platziert, sorgen sie für eine kontrollierte Klangumgebung ohne unerwünschte Streuung.
Gastronomie & Kantinen
In Kantinen und Restaurants dominieren harte Oberflächen. Deckensegel und wandmontierte Paneele aus PET-Filz oder Basotect® sind die effizienteste Lösung – sie lassen sich hygienisch reinigen, sind langlebig und optisch ansprechend. Textile Vorhänge und Polstermöbel ergänzen das Konzept.
Worauf du beim Kauf von Schallabsorbern achten solltest
- Schallabsorptionsgrad α nach DIN EN ISO 354 angegeben – vergleiche Werte bei mehreren Frequenzen, nicht nur bei einem einzelnen Wert
- Materialdicke: Dünnere Absorber (25 mm) wirken vor allem im Hochtonbereich, ab 50 mm auch wirksam im Mitteltonbereich
- Zertifizierungen: Schadstoffgeprüft (z. B. OEKO-TEX, Blauer Engel) – besonders wichtig für Schulen und Kitas
- Brandschutzklasse beachten – für öffentliche Gebäude ist mindestens Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) vorgeschrieben
- Langlebigkeit: Hochwertige Materialien wie Basotect® oder industriell gefertigter PET-Filz behalten ihre akustischen Eigenschaften über viele Jahre
- Optimierung der Flächendeckung: In den meisten Räumen genügen 20–30 % der Wand-/Deckenfläche für eine spürbare Verbesserung der akustischen Qualität
Du weißt nicht, wie viel du brauchst? Mit dem kostenlosen FENNEXT Akustik-Rechner nach DIN 18041 berechnest du deinen genauen Bedarf. Für komplexere Anforderungen steht dir unser Team in der kostenlosen Erstberatung zur Seite.
Fazit: Das richtige Material macht den Unterschied
Schallabsorbierende Materialien unterscheiden sich erheblich in ihrem Frequenzverhalten, ihrer Anwendung und ihren gestalterischen Eigenschaften. Für die meisten Räume – Büro, Schule, Wohnraum oder Gastronomie – sind PET-Filzpaneele oder Basotect®-Absorber in 50 mm Stärke die erste Wahl: hoher Schallabsorptionsgrad, schadstoffgeprüft, langlebig und optisch ansprechend. Wer zusätzlich tiefe Frequenzen kontrollieren möchte, ergänzt mit Resonatoren oder dickeren Absorbern. Entscheidend ist immer das Gesamtkonzept – die richtige Kombination aus Material, Materialdicke, Fläche und Anordnung im Raum.