Nachhallzeit messen: So analysierst und verbesserst du deine Raumakustik

Nachhallzeit messen: So analysierst und verbesserst du deine Raumakustik

Die Nachhallzeit ist der wichtigste Parameter in der Raumakustik – und gleichzeitig der, der in den meisten Räumen falsch eingeschätzt wird. Ob störender Nachhall im Büro, schlechte Sprachverständlichkeit im Klassenraum oder dumpfer Klang im Homestudio: Mit einer gezielten Messung der Nachhallzeit lässt sich das akustische Problem exakt lokalisieren und beheben. In diesem Artikel erfährst du, was die RT60 genau beschreibt, wie eine professionelle und eine DIY-Messung funktioniert, welche Normwerte gelten – und wie du mit den richtigen Schallabsorbern zur optimalen Raumakustik gelangst.

Was ist die Nachhallzeit? Definition und RT60

Die Nachhallzeit (englisch: Reverberation Time) beschreibt, wie lange ein Schallereignis in einem Raum nachklingt, nachdem die Schallquelle verstummt ist. Genauer gesagt: Die Nachhallzeit ist die Zeit, die der Schalldruckpegel benötigt, um nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 dB abzuklingen. Daraus leitet sich die Bezeichnung RT60 ab – Reverberation Time, 60 dB Abfall.

In der Praxis ist ein Abfall von 60 dB in vielen gewöhnlichen Räumen messtechnisch schwierig zu erfassen, da der Ruhepegel (Hintergrundgeräusche) oft zu hoch ist. Deshalb arbeitet die DIN EN ISO 3382 mit Teilintervallen:

  • T20: Abklingzeit aus dem Bereich –5 bis –25 dB, auf 60 dB extrapoliert
  • T30: Abklingzeit aus dem Bereich –5 bis –35 dB, auf 60 dB extrapoliert
  • EDT (Early Decay Time): Abklingzeit aus den ersten 10 dB – besonders relevant für die subjektive Wahrnehmung von Nachhall und Hörsamkeit

Für die meisten Anwendungen gemäß DIN EN ISO 3382 wird T20 oder T30 verwendet, da diese bei typischen Ausbreitungsbedingungen in gewöhnlichen Räumen ausreichend genau sind und zuverlässig gemessen werden können.

Nachhallzeit und Raumakustik: Warum der Wert so entscheidend ist

Die Nachhallzeit beeinflusst direkt die Sprachverständlichkeit, die Klangqualität und das subjektive Wohlbefinden in einem Raum. Eine zu hohe Nachhallzeit bewirkt, dass aufeinanderfolgende Silben oder Töne ineinanderfließen – Sprache wird undeutlich und akustisch störend. Eine zu niedrige Nachhallzeit hingegen lässt einen Raum „tot" und unangenehm klingen; Konversation wirkt anstrengend.

Der optimale Wert hängt stark von der Nutzung des Raumes ab:

Raumtyp Optimale Nachhallzeit Norm / Referenz
Wohnräume 0,3 – 0,6 s Empfehlung
Büro / Besprechungsraum 0,4 – 0,8 s DIN 18041 Gruppe B / VDI 2569
Klassenraum / Unterrichtsraum 0,4 – 0,6 s DIN 18041 Gruppe A (A2)
Konferenzräume / Tagungsräume 0,4 – 0,7 s DIN 18041 Gruppe A (A3)
Aufnahmestudio / Homestudio 0,2 – 0,4 s Branchenstandard
Kino / Heimkino 0,3 – 0,5 s Empfehlung
Konzerthallen / Klassik 1,6 – 2,2 s DIN EN ISO 3382-1
Kirchen / große Hallen 2,0 – 5,0 s DIN EN ISO 3382-1

Die Physik hinter der Nachhallzeit: Wie klingt ein Raum?

Wenn eine Schallquelle Energie abstrahlt, breiten sich Schallwellen in alle Richtungen aus. In einem ideal-theoretischen diffusen Schallfeld – also einem Raum, in dem Schall in alle Richtungen gleichmäßig verteilt ist – gilt die klassische Sabine-Formel für die Berechnung der Nachhallzeit:

T = 0,163 × V / A

Dabei steht V für das Raumvolumen in m³ und A für die äquivalente Absorptionsfläche in m² (Summe aller Flächen multipliziert mit ihrem jeweiligen Schallabsorptionsgrad). Die Nachhallzeit lässt sich also durch Erhöhung der Absorptionsfläche direkt verkürzen.

In der Praxis gilt die Sabine-Formel nur unter idealisierten Bedingungen – also bei annähernd gleichmäßiger Schallverteilung und mäßiger Absorption. In sehr stark bedämpften Räumen oder bei ungleichmäßiger Absorberverteilung wird stattdessen die Formel nach Eyring verwendet, die die Linearität des Abklingverhaltens besser abbildet.

Wichtig: Die Nachhallzeit ist frequenzabhängig. Besonders bei tiefen Frequenzen – also niedrigen Hz-Bereichen um 63–250 Hz – ist die Nachhallzeit in den meisten Räumen deutlich länger als bei mittleren oder hohen Frequenzen. Grund dafür sind stehende Wellen und Resonanzfrequenzen (Raummoden), die insbesondere bei niedrigen Frequenzen entstehen und die Schallausbreitung im Raum ungleichmäßig machen.

Nachhallzeit messen: Die Methoden im Überblick

Methode 1: Schnelltest – der Klatschtest

Der einfachste Weg, eine erste Einschätzung der Raumakustik zu bekommen: in die Hände klatschen und auf das Nachklingen achten. Ein deutlich hörbares Echo oder ein langer „Schwanz" nach dem Klatschen ist ein sicheres Zeichen für eine zu hohe Nachhallzeit. Auch ein kurzer, scharfer Knall (z. B. Platzen eines Luftballons) eignet sich – so kann selbst ohne Messgerät ein grober Eindruck gewonnen werden. Dieser Test ersetzt jedoch keine präzise Messung der Nachhallzeit, die für Normkonformität (z. B. DIN 18041) erforderlich ist.

Methode 2: App-basierte Messung (Smartphone)

Für einfache Orientierungsmessungen ohne teures Equipment gibt es zahlreiche Smartphone-Apps, die eine automatisierte Messung der Nachhallzeit über das interne Mikrofon ermöglichen. Die Genauigkeit ist begrenzt, da das eingebaute Mikrofon keine flachen Frequenzgang-Charakteristik aufweist und der Schalldruckpegel oft unzureichend ist. Für einen ersten Überblick über die akustische Situation im Raum ist dieser Ansatz aber praktisch und kostenfrei.

Methode 3: DIY-Messung mit Room EQ Wizard (REW)

Die professionellste DIY-Lösung ist die kostenlose Software Room EQ Wizard (REW) in Kombination mit einem kalibrierten Messmikrofon (z. B. Behringer ECM8000, ab ca. 30–50 €) und einem Audiointerface. REW erzeugt einen Log-Sweep (Chirp-Signal) über den Lautsprecher, zeichnet die Raumantwort über das Mikrofon auf und berechnet daraus automatisch:

  • RT60 / T20 / T30 / EDT für alle Oktavbänder
  • Frequenzgang des Raumes mit Peaks und Einbrüchen
  • Wasserfall-/Spektrogramm-Darstellung – zeigt, welche Frequenzen besonders lange „stehen" (Raummoden)

Für aussagekräftige Ergebnisse sollte die Messung an verschiedenen Positionen im Raum durchgeführt und gemittelt werden – mindestens drei bis fünf Stellen im Raum, verteilt über den Nutzungsbereich.

Methode 4: Professionelle Messung nach DIN EN ISO 3382

Wer eine normkonforme Messung der Nachhallzeit benötigt – z. B. für Behörden, Schulträger, Förderanträge oder Bauprojekte – kommt an der DIN EN ISO 3382 nicht vorbei. Die Norm unterscheidet zwischen:

  • DIN EN ISO 3382-1: Messverfahren für Aufführungsräume (Theater, Konzertsäle)
  • DIN EN ISO 3382-2: Messverfahren für gewöhnliche Räume (Büros, Schulen, Konferenzräume) – mit genormten Anforderungen an Schallquelle, Mikrofon, Auswerteverfahren und Mindestanzahl der Messpunkte

Als Schallquelle wird ein omnidirektionaler Lautsprecher (Dodekaeder) verwendet, der Schall in alle Richtungen gleichmäßig abstrahlt und ein möglichst diffuses Schallfeld erzeugt. Das Messgerät muss eine Mindestdynamik von mindestens 60 dB über dem Ruhepegel erfassen können – daher ist ein professioneller Akustik-Analysator (z. B. NTi XL2) empfohlen. Die Messung erfolgt im unbesetzten Raum, da Personen die Absorption verändern.

Die Abklingkurve: T20, T30 und EDT verstehen

Bei der Auswertung einer Nachhallzeitmessung zeigt die Abklingkurve den zeitlichen Verlauf des Schalldruckpegels nach dem Abschalten der Schallquelle. Im Idealfall – bei einem perfekt diffusen Schallfeld – verläuft sie linear über den gesamten Bereich von 0 bis –60 dB. In der Praxis weichen reale Räume davon ab:

  • Ein T20, das aus dem Bereich –5 bis –25 dB auf 60 dB extrapoliert wird, gewichtet das frühe Abklingen stärker und reagiert empfindlicher auf frühzeitige Reflexionen
  • T30 (–5 bis –35 dB, auf 30 dB extrapoliert und auf RT60 hochgerechnet) liefert eine zuverlässigere Schätzung bei ausreichendem Signal-Rausch-Abstand
  • EDT (Early Decay Time, 0 bis –10 dB) korreliert am stärksten mit der subjektiven Halligkeit eines Raumes und ist damit für die Hörsamkeit besonders relevant

Eine starke Abweichung zwischen EDT und T30 weist auf eine inhomogene Schallverteilung innerhalb des Raumes hin – etwa durch stark absorbierende Teilbereiche oder ungünstige Raumgeometrie.

Nachhallzeit verkürzen: Was wirklich hilft

Ist die Nachhallzeit zu hoch, gibt es klare Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik. Das Grundprinzip: Die Absorptionsfläche im Raum muss erhöht werden, um mehr Schallenergie zu schlucken, bevor sie als störendes Echo wahrnehmbar wird.

Wandmontierte Schallabsorber & Akustikpaneele

Wandmontierte Schallabsorber aus PET-Filz, Basotect® oder Mineralwolle sind die wirksamste Einzelmaßnahme zur Nachhallzeit verkürzen. Bereits 20–30 % Wandflächenbelegung mit hochwertigen Absorbern (50 mm Dicke) senken die Nachhallzeit in den meisten gewöhnlichen Räumen spürbar in den Zielbereich. Bei FENNEXT findest du hochwertige Akustikpaneele für Wand und Decke – normkonform nach DIN 18041, schadstoffgeprüft und in vielen Designs verfügbar.

Deckensegel

Horizontal abgehängte Deckensegel bieten Schallabsorption ohne Wandflächen zu beanspruchen. In großen Räumen wie Großraumbüros, Kantinen oder Schulfluren mit hohen Decken sind sie oft die effizienteste Lösung – da die Decke die größte reflektierende Fläche eines Raumes darstellt.

Freistehende Absorber & Raumteiler

Freistehende Absorber lassen sich flexibel positionieren und sind besonders in Büros und offenen Lernräumen wertvoll. Als Raumteiler eingesetzt, erfüllen sie gleichzeitig eine akustische und eine organisatorische Funktion. Wichtig: Die Anordnung der Absorber im Raum sollte gleichmäßig verteilt sein – eine einseitige Häufung an einer Wand führt zu einem ungleichmäßigen diffusen Schallfeld.

Bassabsorber für tiefe Frequenzen

Für tiefen Frequenzen (unter 250 Hz) – besonders relevant in Studios und Heimkinos – reichen standard poröse Absorber allein oft nicht aus. Hier kommen Resonatoren (Plattenschwinger, Helmholtz-Absorber) oder sehr dicke poröse Absorber (100–200 mm) zum Einsatz, die gezielt die Resonanzfrequenzen und stehenden Wellen im Bassbereich bedämpfen.

Ergänzende Maßnahmen

Textilien (Vorhänge, Teppiche, Polstermöbel) senken die Nachhallzeit zusätzlich – ersetzen aber keine gezielten Schallabsorber. Besonders im Hochtonbereich (über 1.000 Hz) leisten sie jedoch einen relevanten Beitrag und können die Wirkung professioneller Absorber ergänzen.

Nachhallzeit berechnen ohne Messung: Der FENNEXT Rechner

Wer keine vollständige messtechnische Erfassung durchführen möchte, kann die Nachhallzeit berechnet nach Sabine mit dem kostenlosen FENNEXT Akustik-Rechner nach DIN 18041. Auf Basis von Raumvolumen, Raumflächen und vorhandenen Materialien berechnet das Tool den aktuellen Schätzwert und zeigt, wie viele Schallabsorber nötig sind, um die Ziel-Nachhallzeit gemäß DIN 18041 zu erreichen – ideal als Planungsgrundlage für Schulen, Büros, Konferenzräume und öffentliche Gebäude.

Wann ist eine professionelle Akustikberatung sinnvoll?

Eine professionelle raumakustische Beratung empfiehlt sich, wenn:

  • Eine normkonforme Messung nach DIN EN ISO 3382 für Schulträger, Behörden oder Förderanträge benötigt wird
  • Der Raum komplexe Anforderungen an die Nachhallzeit hat (z. B. Mehrfachnutzung, besondere Raumgeometrie)
  • Trotz bereits eingesetzter Absorber keine verbesserte Raumakustik erreicht wird – dies deutet auf ungünstige Absorberpositionierung oder dominante Raummoden hin
  • Räume mit besonderer Nutzung geplant werden: Hallraum, Tonstudio, barrierefreie Unterrichtsräume

Unser Team begleitet dich von der ersten Messung bis zur fertigen Dokumentation – jetzt kostenlose Erstberatung anfragen.

Fazit: Nachhallzeit messen ist der erste Schritt zur guten Raumakustik

Die Messung der Nachhallzeit macht das abstrakte Thema Raumakustik konkret und messbar. Mit einfachen Mitteln – vom Klatschtest über Smartphone-Apps bis zur REW-Software – lässt sich der aktuelle Zustand eines Raumes schnell erfassen. Für normkonforme Nachweise liefert die DIN EN ISO 3382 den verbindlichen Rahmen. Wer die Messergebnisse kennt, kann gezielt handeln: mit Schallabsorbern, Deckensegeln und einem durchdachten Absorberkonzept lässt sich die Nachhallzeit in nahezu jedem Raum auf den idealen Wert bringen – für eine gute Raumakustik, bessere Sprachverständlichkeit und spürbar mehr Wohlbefinden.

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